August 6th, 2008
Das welke Laub
(J. Prévert / dt. D. Kaiser)
Oh! Wie wär’ ich froh, du würdest dich entsinnen
Der Zeit des Glücks und unsrer Freundschaft Zeit.
Das Leben war zu jener Zeit viel schöner.
Die Sonne brannte heißer noch als heut’.
Mit Schaufeln fegt man weg das Laub nach der Saison.
Du siehst, ich vergaß nichts davon.
Mit Schaufeln wird das welke Laub gesammelt,
Erinnerung und Trennungsleiden auch.
Und der Nordwind trägt sie hin
In des Vergessens eiseskalte Nacht.
Du siehst, vergessen habe ich nicht,
das Lied, das du sangst, für mich.
Es ist ein Lied, das uns sehr ähnelt.
Du liebtest mich, ich liebte dich.
Wir lebten beide, wie angebändelt.
Ich liebte dich, du liebtest mich.
Doch das Leben trennt, die die sich lieben,
so nach und nach, und ohne Krach.
Aus dem Sande löschen die Gezeiten
Die Spur der Liebe, die zerbrach.
Mit Schaufeln wird das welke Laub gesammelt,
Erinnerung und Trennungsleiden auch.
Doch still und treu war und ist meine Liebe.
Sie lächelt und verdankt dem Leben mehr.
Du warst so schön. Ich liebte dich so sehr.
Wie könnte ich dich je vergessen?
Das Leben war zu jener Zeit viel schöner.
Die Sonne brannte heißer noch als heut’.
Du warst die süßeste Freundin . . .
Doch ich weiß nicht, wohin mit dem Leid.
Dein Lied, das mich konnte betören,
Immer und ewig werd ich’s hören.
C’est une chanson qui nous ressemble.
Toi, tu m’aimais et je t’aimais
Et nous vivions tous deux ensemble,
Toi qui m’aimais, moi qui t’aimais.
Mais la vie sépare ceux qui s’aiment,
Tout doucement, sans faire de bruit
Et la mer efface sur le sable
Les pas des amants désunis.
July 8th, 2008
Der Liedtext zu dem Chanson Potemkine von Jean Ferrat liegt nun auch in deutscher Sprache vor. Als Inhaber dieses Blogs habe ich mich im Urlaub in der Normandie wieder mal von der Muse küssen lassen. Das Lied Potemkine war mir nach La Montagne als zweitschönstes Lied von Ferrat vor vielen Jahren bei einem Südfrankreich-Urlaub aufgefallen. Damals ahnte ich noch nicht, dass ich eines Tages die musikalisch und textlich schönen Lieder französischer Chanson-Legenden wie Brel, Brassens, Barbara, Bécaud, Aznavour, Trenet und Ferrat selbst singen und mir damit einen Jugendtraum erfüllen würde. Erst recht wusste ich nicht, dass man das Dichten erlernen kann. Seit ich vor 4 Jahren begonnen habe, französische Chansons in singbare deutsche Verse zu fassen, kann ich nur jedem ambitionierten Menschen den Rat geben, “alles mal zu versuchen und sich im Leben einfach viel mehr zutrauen”. Mittlerweile gibt es über 50 franz. Chansons in deutscher Sprache.
Hier nun das Lied letzteren Datums, wahrscheinlich nicht das letzte aus meiner Feder. Mittlerweile schreibe auch eigene Liedtexte, die ich auf meiner Internetseite unter der Rubrik “Texte” oder auf dem Blog veröffentliche. Es macht einfach riesengroßen Spass auf seine Muse zu hören.
Ihre Meinung zu diesem deutschen Text (oder sogar eine Verbesserung) ist mir wichtig. Lassen Sie Ihrer Kritik freien Lauf.
Potemkine
Würdet ihr mit mir hadern, zeigte ich euch eine Welt,
die tief in mir singt, wie das Rauschen der See.
Würdet ihr mit mir hadern, wenn sich in mir alles erregt,
bei dem Namen, den mein Schrei in alle Winde trägt.
Es singt stumm in mir drin.
Oh, Potemkin.
Sie waren Matrosen, hart im Nehmen im Krieg.
Sie waren Matrosen, mit Disziplin und mit Schliff.
Das Herz der Matrosen wird gemeißelt vom Wind.
Sie waren Matrosen auf dem großen Panzerschiff.
Auf den Wellen ahn’ ich ihn,
den Potemkin.
Würdet ihr mit mir hadern, zeigte ich euch eine Welt,
Wo der Hungernde weiß, dass ihn erwartet der Schuss.
Es naht das Verbrechen und tief ist das Meer.
Und vor den Rebellen ziehn die Füsiliere her.
Mein Bruder ist’s, man erschießt ihn.
Oh, Potemkin.
Mein Bruder, mein Freund, mein Sohn, mein Kamerad,
Du wirst doch nicht schießen auf den, der leidet und klagt.
Mein Bruder, mein Freund, schließ’ dich an unserm Pakt.
Matrose, schieß’ nicht auf einen andren Matrosen.
Das Gewehr hielten sie nicht mehr hin.
Auf dem Potemkin.
Würdet ihr mit mir hadern, zeigte ich euch eine Welt,
wo den, der Tod bringt, gerechte Strafe ereilt?
Würdet ihr mit mir hadern, zeigte ich euch eine Welt,
Wo man nicht immer nur bei den Stärkeren weilt?
Heut Abend lieb ich die Marine,
Oh, Potemkin.
May 7th, 2008
Louis Aragon drückt seine überschäumende Freude über das befreite Paris im August 1944 aus.
Heute würde seine Freude über das inzwischen entstandene Europa ebenso überschäumen. Die deutsche Fassung stammt aus der Feder von D. Kaiser.
Paris, Louis Aragon
Wo ist es schön selbst zur Gewitterzeit?
Wo ist es hell selbst im Herzen der Nacht.
Die Luft trägt Wein und Mut gebiert das Leid.
Durch Fensterscherben noch die Hoffnung lacht.
In Häusertrümmern wird Musik gemacht.
Erstanden aus der Glut, niemals verglüht,
Als ewiges Licht des Vaterlandes Gut,
Vom Point-du-Jour bis Père Lachaise erblüht
Der süße Rosenstrauch mit viel Anmut.
Ihr Leute all, das ist Pariser Blut.
Kein Glanz ist wie Paris im Pulverdampf,
Keine Aufrührerstirn rein wie Paris.
Nichts ist so stark, wie Blitz und Donner im Kampf,
Wie mein Paris, das Todesmut bewies.
So schön wie mein Paris, das ich hier pries.
Nichts bracht mein Herz zum Schlagen je so fest,
Nichts, dass mich je so freuen und weinen lässt,
Wie meines Volkes lautes Siegesfest.
Nichts ist so groß wie ein zerrissenes Totenkleid.
Paris, Paris, aus eigner Kraft befreit.
Paris
(Louis Aragon, 25. August 1944)
Où fait-il bon même au coeur de l’orage
Où fait-il clair même au coeur de la nuit
L’air est alcool et le malheur courage
Carreaux cassés l’espoir encore y luit
Et les chansons montent des murs détruits
Jamais éteint renaissant de sa braise
Perpétuel brulôt de la patrie
Du Point-du-Jour jusqu’au Père Lachaise
Ce doux rosier au mois d’Août refleuri
Gens de partout c’est le sang de Paris
Rien n’a l’éclat de Paris dans la poudre
Rien n’est si pur que son front d’insurgé
Rien n’est si fort ni le feu ni la foudre
Que mon Paris défiant les dangers
Rien n’est si beau que ce Paris que j’ai
Rien ne m’a fait jamais battre le coeur
Rien ne m’a fait ainsi rire et pleurer
Comme ce cri de mon peuple vainqueur
Rien n’est si grand qu’un linceul déchiré
Paris Paris soi-même libéré
Ihre Meinung zu den Inhalten dieses Gedichtes und zu der erstmals erschienenen deutschen Fassung würde mich interessieren.
D. Kaiser